Angora ist eine Naturfaser, die aus dem besonders langen und feinen Fell des Angorakaninchens gewonnen wird. Diese Kaninchenrasse zeichnet sich durch ihr dichtes, weiches Haar aus. Die Faser kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und gleichzeitig sehr gut wärmen. Deshalb wird Angora häufig für Bettwäsche, Unterwäsche, Strumpfhosen und Decken eingesetzt. Oft wird Angora mit Mohair verwechselt. Dabei handelt es sich um die Wolle der Angoraziege.
Die Haare des Angorakaninchens sind weiß und werden bis zu 70 mm lang, im Durchschnitt etwa 36 mm. Ihr Durchmesser liegt bei 12 bis 17 Mikrometern. Die Fasern sind außen schuppig und innen hohl, was sie sehr leicht macht. Im Vergleich zu Schafwolle und Baumwolle ist Angorawolle deutlich leichter, wodurch Textilien besonders warm und angenehm leicht wirken. Angorafasern sind jedoch wenig reißfest und verfilzen leicht. Deshalb werden sie meist mit Merinowolle oder Nylon gemischt. Das Spinnen ist anspruchsvoll, da sich die Fasern leicht aus dem Garn lösen. Abstehende Faserenden sorgen für den typischen flauschigen Eindruck. Der Faserverlust entsteht überwiegend durch Faserbruch. Bei hohen Temperaturen verliert die Faser ihre Hohlstruktur. Angorakaninchen aus deutschen Zuchtlinien besitzen kein Deckhaar, während französische Linien zusätzlich Deckhaare aufweisen.
Angorakaninchen liefern Wolle mit unterschiedlicher Struktur. In Frankreich und der Schweiz werden Tiere mit eher grobem Fell gezüchtet. Nach etwa vier Monaten ist das Haar reif und kann ausgekämmt, gezupft oder geschoren werden. Die gezupfte Wolle wird vor allem für langhaarige Handstrickgarne genutzt.
In Deutschland, Österreich und weiteren Ländern gibt es Zuchtlinien mit sehr feinem Wollvlies. Ein deutsches Angorakaninchen liefert rund 800 g Wolle pro Jahr. Die geschorene Wolle wird von spezialisierten Betrieben zu hochwertigen Strickwaren verarbeitet. Nach Angaben von PETA stammen etwa 90 % der weltweit gehandelten Angorawolle aus China.
In Deutschland wird die Wolle in der Regel durch sachgemäße Schur gewonnen, die dem Tier keine Schmerzen zufügt. Kritik an der Angorawollgewinnung entstand insbesondere durch veröffentlichte Videoaufnahmen von PETA aus chinesischen Betrieben, in denen lebende Kaninchen gewaltsam gerupft wurden. In der Folge nahmen viele Textilunternehmen Angorawolle aus ihrem Sortiment.
Übersicht:
- Verarbeitung: Kaninchenhaar, meist Mischungen
- Beschaffenheit/Haptik: extrem weich, flauschig, leicht
- Infos: hohe Wärmeleistung, haarend, pflegeintensiv
- Einsatzbereiche sind zum Beispiel: Feinstrick, Accessoires
- Mischungen meist mit Wolle oder Polyamid
- Pflege: Sehr schonend, Handwäsche empfohlen
